Das Dirndl im Zeitgeist

Die Grundform des Dirndl hat sich über die Zeit nicht verändert, so ist das Kleid einteilig geschnitten mit einem engen, meist kastig ausgeschnittenem Oberteil und einem in der Hüfte angesetzten weiten Rock, dessen Länge modisch variiert. Die obligatorische Schürze hat sich ebenso bewahrt, wie die lange Schleife, die dem Mann nach wie vor verrät, ob die Trägerin noch zu haben ist.

Das historische Dirndl

  • Der Begriff des Dirndl ist eine Verkleinerung von Dirn, was früher die Bezeichnung für eine junge Frau war und nicht mit „Dirne“ verwechselt werden sollte. Der Ursprung des heutigen Dirndl ist im 18. Jahrhundert zu finden, als das Dirndl noch rein als Arbeitskleidung von Dienstboten fungierte. Im Laufe der Zeit wandelte sich die Bezeichnung von der jungen Frau allgemein auf Magd, bzw. Dienstbotin, so dass deren einfache Kleider kurzerhand das Dirndl wurden und die Erscheinung bis heute prägen. Im Gegensatz zu heute hatte das Dirndl allerdings weniger Verzierungen und war als Alltagskleidung eher strapazierfähig aus Baumwolle oder Leinen gewebt.
  • In der deutschen Kaiserzeit (1870 bis 1918) wandelte sich das Dirndl in Bayern als Entdeckung langsam durch Bergurlaubende Städterinnen zum klassenfreien Kleidungsstück außerhalb des Haushalts, das aber weiterhin den Charakter der Arbeitskleidung der Hausangestellten behielt. So strich noch einige Zeit ins Land, bis sich das Dirndl in Bayern und den bayerischen Alpen als normales Kleidungsstück zu festlichen Anlässen durchsetzen konnte und fast zur Norm wurde.

Heutiges Verständnis

Das heute beliebte Dirndl ist nicht mehr mit einer Tracht zu verwechseln, da Trachten immer eine bestimmte Region kennzeichnen und oft den Status der Trägerin vermitteln, so wie es beim Dirndl mit dem Schleifen- oder Schürzencode der Fall ist. Das Dirndl ist heute ein Sammelbegriff für beliebte Kleider, die besonders im Sommer und auf Volksfesten getragen werden, farblich unabhängig von Region und Status.

Die Farben und Schnitte orientieren sich dabei an der Mode, Geschmack und Bedürfnissen der heutigen Frauen. So hat sich auch beim Thema Beinkleidung und Schuhe vieles entspannt und folgt modischen Wellen, bei denen fast alles erlaubt ist was gefällt: Highheels, elegante Pumps, Trachtensneaker, oder Trachten-Chucks mit traditionellen oder knallbunten Strümpfen. Das Münchner Oktoberfest bietet hierbei wohl die größte Fülle und unterstreicht, dass es heutzutage mehr um Spaß und einen koketten Umgang mit Tradition geht.

Gerüchteweise würden alteingesessene Münchner die „Landkleidung“ der Bediensteten noch immer nicht tragen, da sie ihnen zu bäuerlich erscheint. Alteingesessene Münchner sind auf dem Oktoberfest aber eher eine Minderheit, und so haben sich inzwischen eine Reihe von Herstellern darauf spezialisiert jährliche neue Trends und Accessoires an die Frau, bzw. den Mann zu bringen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen